Asphalt-Magazin – Hannovers Straßenzeitung

Asphalt-Cover

Asphalt-Magazin – Hannovers Straßenzeitung

Jeder von uns, der aus Hannover, Niedersachsen und Umgebung kommt oder öfter hier zu Besuch ist, hat sie schon mindestens einmal gesehen: Frauen und Männer, die an stark frequentierten Standorten wie vor Supermärkten oder in U-Bahn-Stationen stehen und einen Stapel Zeitschriften hochhalten. Auch den Namen dieser Zeitschrift werden die meisten von uns bereits – mehr oder weniger bewusst – aufgeschnappt haben: Asphalt. Doch was hinter dem Asphalt-Magazin steckt, wissen viele nicht – so ging es auch mir. Dabei ist das Projekt sehr interessant und erzählenswert. Also habe ich einen Blick „hinter die Kulissen“ geworfen.

Die Fakten über das Asphalt-Magazin

Zunächst die allgemeinen Fakten: Asphalt ist ein soziales Straßenmagazin, das in Hannover und anderen niedersächsischen Städten monatlich erscheint. Das Magazin umfasst drei verschiedene Editionen: Hannover, Tagessatz und Nordwest. Der Magazinpreis beträgt im Straßenverkauf 2,20 Euro, für den Asphalt/Tagessatz 2,50 Euro. Mit einer Auflage von durchschnittlich 26.500 Zeitungen erreicht Asphalt monatlich rund 58.000 Leserinnen und Leser. Wenn ihr in einer dieser Städte wohnt, könnt auch ihr (bald) eine/r davon sein, denn in folgenden Städten gibt es die Asphalt zu kaufen: Aurich, Celle, Delmenhorst, Emden, Hameln, Hannover, Hildesheim, Leer, Neustadt am Rübenberge, Nienburg/Weser, Nordenham, Oldenburg und Wilhelmshaven.

Zum ersten Mal erschien die Zeitschrift übrigens vor inzwischen über 25 Jahren – im September 1994. Damit löste sie die „HIOB’s-Botschaften“, die kurz zuvor die Hannoversche Initiative obdachloser Bürger e.V. (H.I.o.B.) herausgegeben hatte, ab. Die Firma hinter dem Asphalt-Magazin ist die Asphalt gemeinnützige Verlags- und Vertriebsgesellschaft mbH mit Sitz in der Hallerstraße 3 in Hannover. Sie ist eine gemeinnützige GmbH, welche sich vollständig selbst finanziert – dabei lebt sie insbesondere von Spenden. Doch auch Verkaufseinnahmen und Werbeanzeigen tragen einen Teil zur Kostendeckung bei. Herausgeber sind Matthias Brodowy (Kabarettist, Musiker und Kolumnist), Dr. Margot Käßmann (Pfarrerin) und Rainer Müller-Brandes (Theologe).

1,10 Euro für ein besseres Leben

Doch was genau ist an dem Straßenmagazin jetzt so besonders und sozial? Die Asphalt-Verkäuferinnen und -Verkäufer sind Menschen, die ein schwieriges Leben (hinter sich) haben. Viele sind oder waren obdachlos, alkohol- oder drogenabhängig und sie alle sind von Armut betroffen. Das Ziel des Projektes ist es, diesen Menschen zu helfen, ihr Leben ein Stück weit zu verbessern – sowohl finanziell als auch sozial. So dürfen die Verkäuferinnen und Verkäufer die Hälfte des Preises jedes verkauften Heftes behalten, also 1,10 Euro, und können auf diesem Weg legal und würdevoll ein wenig ihren Lebensunterhalt aufstocken. Außerdem schafft der Asphalt-Verkauf Kontakte: Die Verkäuferinnen und Verkäufer kennen einige Stammkunden bereits persönlich und erfahren eine Kommunikation auf Augenhöhe, wie viele sie vorher schon lange nicht mehr gehabt haben.

Asphalt aufgeschlagen (Buchtipps)

Im Asphalt-Magazin selber werden sehr viele Themenbereiche angesprochen und somit ist es für alle Bevölkerungsgruppen interessant zu lesen. Da geht es von Sozial- und Gesellschaftspolitik über Interviews mit Fachleuten und Prominenten bis zu Veranstaltungs- oder Buchtipps. Auch regionale Neuigkeiten aus Hannover und dem Norden werden immer wieder thematisiert. Mich persönlich fesseln besonders Erfahrungsberichte bzw. Einblicke in das Leben anderer Menschen. In der letzten Ausgabe (Juni 2020, Seite 24) hat zum Beispiel der Asphalt-Verkäufer Klaus ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert und von seinen Gedanken zur momentanen Krisensituation, aber auch über die ganz normalen Alltagssorgen und -freuden berichtet.

Die Artikel werden von professionellen Journalisten verfasst, vier davon sind fest bei der Asphalt gemeinnützige Verlags- und Vertriebsgesellschaft mbH angestellt.

Wie kann ich selber tätig werden?

Viele von euch – und auch ich – fragen sich jetzt natürlich, wie man die soziale Arbeit von Asphalt unterstützen kann. Eins liegt auf der Hand: Das Magazin kaufen. Für uns sind es 2,20 Euro im Monat, für das Projekt und die Menschen, die an ihm arbeiten, bedeutet es jedoch noch viel mehr. Dafür, dass wir vielleicht bewusst auf ein Eis oder eine Portion Pommes verzichten und uns stattdessen ein Heft kaufen, tragen wir ein Stück weit dazu bei, vom Schicksal betroffenen Menschen ein besseres Leben zu schenken. Super – aber das reicht euch noch nicht? Dann könnt ihr Asphalt-Patin oder -Pate werden. Das bedeutet, dass ihr an Asphalt regelmäßig einen Geldbetrag überweist. Den Turnus und die Höhe des Betrags entscheidet ihr selber. Ihr könnt aber auch ganz normal spenden – denn wie oben bereits erwähnt, finanziert sich das Projekt größtenteils durch Spenden, da Asphalt keine kirchlichen oder öffentlichen Zuschüsse erhält. Ansonsten gilt, wie bei allem, das man unterstützen möchte: Weiterempfehlen und Freunden und Familie davon erzählen. Denn sicher gibt es viele, die sich noch nie mit dem Asphalt-Magazin beschäftigt haben. Und die, wenn sie über den Hintergrund informiert werden, es gerne unterstützen.

Für alle näheren Infos, schaut doch mal auf der Website von Asphalt vorbei. Hier findet ihr auch direkt oben rechts einen Button, mit dem ihr ganz einfach spenden könnt. Ich freue mich, wenn ich euch informieren und vielleicht sogar inspirieren konnte. Gemeinsam kann man viel erreichen!

Bildquellen

  • Umarmung: Gennaro Leonardi – Fotolia.com
  • Asphalt aufgeschlagen (Buchtipps): intres
  • Asphalt-Cover: intres

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