Wattpad – wo Ideen zu Geschichten werden

Wattpad – wo Ideen zu Geschichten werden

Die kostenlose E-Book Plattform für Autoren und Leser

„Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste.“ – Heinrich Heine

Jeder Mensch braucht einen Raum, um seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Sei es die Küche, in der eine bunte Torte gebacken wird, die Gitarre, auf der zufällige Melodien gespielt werden oder ein Blatt Papier, auf dem Kunstwerke entstehen. Irgendwie braucht jeder eine Möglichkeit, um seiner Fantasie nachzugehen und die Vorstellungen auszuleben, die im eigenen Leben nicht machbar sind.

Das Potential der Wattpad’er

Ein geeigneter Raum, um sich diesem Bedürfnis zu widmen, ist das geschriebene Wort und darum geht es in der App Wattpad. Auf dieser kostenlosen E-Book-Plattform kann jeder eigenverfasste Geschichten veröffentlichen oder auch nur lesen. Von Fantasy über Romantik bis hin zu Horror ist jedes Genre vertreten und liefert interessante und teilweise auch hervorragende Geschichten: Schon lange gilt Wattpad als Schatzgrube für viele Verlagshäuser, denn die ein oder andere „aus Spaß“ geschriebene Geschichte hat wahres Potential auf dem Buchmarkt. Das wohl berühmteste Beispiel ist dabei die von Anna Todd auf Wattpad verfasste Geschichte „After“, die es als „After Passion“ weltweit auf die Bestsellerliste in der Belletristik geschafft hat und sogar verfilmt wurde.

Deutsche Erfolgs-“Geschichten”

Aber diesem amerikanischen Beispiel folgt auch eine Reihe von Geschichten junger, deutscher Autoren, deren Werk im Buchhandel Fuß gefasst hat. Dabei ist es als begeisterter Nutzer auch immer eine Freude, zuzusehen, wie für den jungen Schriftsteller ein Traum in Erfüllung geht und seine „Lieblingsgeschichten“ auch in Buchform in der Hand halten zu können. Meine Top-Empfehlungen sind dabei die Publikationen „John’s Todsünden“ von Sherin Haidar (bei Wattpad unter dem Usernamen „-Next-“) und „Wieso ich schweige“ von A.L. Wolf (Wattpad: „new_york_city_heroes“).

Kritik für unerfahrene Autoren

Auch wenn die App in erster Linie dem Spaß dient, dazu verhilft, seine kreativen Ideen in Schriftform zu bringen und andere daran teilhaben zu lassen, ist sie doch für so manch jungen, begabten Schriftsteller ein Weg zum Erfolg, wenn auch ein unscheinbarer: die meisten Autoren, die ihre Geschichten auf Wattpad veröffentlichen, freuen sich vor allem über die Form von Feedback ihrer Leser, die sie direkt durch Kommentare innerhalb oder angehängt an die Story erhalten. Denn eines ist Wattpad allen voran: eine Gemeinschaft aus Lesern. Und diese Leser und Autoren helfen sich gegenseitig, um ihre Texte zu verbessern oder auch dazu zu ermutigen, Geschichten, die womöglich als „aussichtslos“ eingestuft wurden, weiterzuschreiben. So lässt sich das eigene Potential am besten ausschöpfen. Dafür gibt es außerdem interne Wettbewerbe, wie die Wattys, bei denen sich Autoren in unterschiedlichen Genres gegenseitig messen können, um schließlich mit dem Watty Award gekürt zu werden, der die meist-gevotete und beste Geschichte auszeichnet.

Nichts ist makellos

Da der Ideenvielfalt und Kreativität natürlich keine Grenzen gesetzt sind, finden sich auf dieser Plattform auch viele triviale Trash-Geschichten und besonders viele Klicks auf sexualisierten, schlecht konzipierten Stories, die von Autoren geschrieben wurden, die oftmals „zu jung“ für Themen, wie Erotik oder Gewalt sind. Demnach wird dies teilweise stark verherrlicht und falsch präsentiert, was bei manchen Geschichten meinerseits auch nur zu Kopfschütteln geführt hat. Diesen kann man aber auch gut aus dem Weg gehen und sich den guten Stories widmen. Besonders der Poesie-Bereich ist mein klarer Favorit und bietet eine Menge Inspiration.

Lesen macht schlau. Der Haken an Wattpad ist dabei womöglich, dass es junge Autoren sind mit wenig Erfahrung und Wissen, es deshalb auch viele Rechtschreibfehler, Grammatikfehler und auch Logikfehler innerhalb von Geschichten gibt. Gerade junge Leser merken sich das dann oft, da sich Gelesenes stark auf das Sprachempfinden auswirkt. Auf der anderen Seite gibt es dadurch auch den Ansporn, es besser zu machen und sich weiterzubilden. Junge Schreiberlinge müssen ja auch keine fehlerfreien Spitzenautoren sein. In erster Linie soll es um Spaß am Schreiben und Lesen und um Leidenschaft gehen.

Mit zwei Millionen Autoren und ungefähr 70 Millionen Nutzern ist die App nun nicht gerade ein Geheimtipp, aber für die Lesebegeisterten und Printbücherfanatiker, die sich noch nicht mit solchen Apps beschäftigt haben, ist es eine klare Empfehlung. Denn auch, wenn nicht jede Geschichte etwas für jeden ist, sind manche wunderbaren Stories auf jeden Fall einen Besuch dieser Plattform wert.

Wer sich außerdem für Literatur rund um die Kriegszeit und des Nationalsozialismus begeistert, kann bei der Rezension zum Buch “Die Nacht von Lissabon” vorbeischauen.

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Bildquellen

  • phone-1052023_1920 (1): pixabay

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