Hanomag: Ein Weltrekordler aus Hannover

Hanomag: Ein Weltrekordler aus Hannover

Das Unternehmen Hanomag ist fast jedem aus Hannover bekannt. Aber wusstet ihr auch, dass das Unternehmen vier Weltrekorde geholt hat?

Geschrieben von der intres-Redaktion, intres-Ausgabe 2/2016

Hanomag bei der Rekordwoche in Dessau

Vier Weltrekorde, nicht weniger holte die Hanomag 1939 bei der Rekordwoche auf der Autobahn bei Dessau mit einem heute längst vergessenen „Silberpfeil“. Das Besondere an dem einzigartigen Rennwagen: Unter der langgestrickten Motorhaube werkelte ein Dieselmotor. Damals eine Sensation. Heute – mehr als 75 Jahre später – geht der originalgetreue Nachbau des Weltrekordlers aus Hannover auf die Zielgerade.

Hanomag und die Dieselmotoren

Dieselmotoren im Auto? Heute ist das völlig normal. In den späten 1930er Jahren war das dagegen eine echte Ausnahme. Dennoch war die Hannoversche Maschinenbau AG – kurz Hanomag – von der Idee begeistert und wollte die Leistungsfähigkeit dieser damals noch vollkommen ungewöhnlichen Kombination beweisen. Eine gute Gelegenheit dafür waren damals sogenannte Rekordwochen, wie sie unter anderen im Februar 1939 auf der gerade erst errichteten Autobahn bei Dessau organisiert wurde.

Dafür baute die Hanomag damals einen konsequent auf Geschwindigkeit ausgerichteten Stromlinienwagen. Als Basis diente seinerzeit das Fahrwerk eines Hanomag Rekords, einer Limousine, die damals in Hannover vom Band lief. Von 1934 bis 1940 baute die Hanomag rund 20.000 Pkw des Typs Rekord, knapp 1.100 davon mit einem Klein-Diesel-Motor.

Projekt Nachbau

Mit einem Fahrwerk eines alten Hanomag Rekord fing vor gut 12 Jahren der Nachbau des einstigen Rekordfahrzeugs an. Gefunden wurde das – wie gar nicht mal so selten in der Oldtimer-Szene – in einer Scheune. Als Horst-Dieter Görg, einer der Aktiven der Hanomag Interessengemeinschaft und Sprecher des Arbeitskreises für Technik und Industrie-Geschichte in der Region Hannover (kurz: AK TIG) Wind von dem Scheunenfund bekam, nahm das Projekt „Nachbau” seinen Lauf. „Vor vielen Jahren, als die Hanomag von Komatsu übernommen wurde und die alten Werksarchive ausgemistet wurden, habe ich die Original-Konstruktionspläne dort im Müll gefunden”, erinnert sich Görg. Bei den Aktiven des AK TIG stieß Görg mit den Plänen auf offene Ohren. Gemeinsam wurde das Fahrwerk geborgen und genau wie in den späten 1930er Jahren bei der Hanomag verkürzt.

Mit Uli Weinberg holten sich die Macher hinter dem Projekt einen äußerst fachkundigen Karosseriebaumeister mit ins Team. Als dann noch die ersten größeren Spenden für den Nachbau eingegangen waren, ein Motor gefunden und komplett in Eigenleistung wieder zum Laufen gebracht wurde, nahm der Nachbau Formen an.

Vollendetes Projekt

Heute ist der Nachbau fertiggestellt und schon längst wieder fahrfertig. Eindrucksvoll unter Beweis stellte das der Wagen am 3. Oktober 2014. Damals initiierte der AK TIG gemeinsam mit der Hanomag IG und der Kfz-Innung Bitterfeld-Wolfen ein Revival der Rekordfahrt von 1939 und ging – natürlich – mit dem nachgebauten Rennwagen an den Start. Da damals von der Karosserie nur die Front wiederhergestellt war, war das ein wahrlich luftiges Ereignis, das auch in den Medien ein großes Echo fand.

Bildquellen

  • Hanomag Vollgas: Holger Eggers, Horst-Dieter Görg
  • Hanomag der Anfang: Holger Eggers, Horst-Dieter Görg
  • Hanomag Gitterrohrrahmen: Holger Eggers, Horst-Dieter Görg
  • Arbeit am Motor: Holger Eggers, Horst-Dieter Görg
  • Hanomag in der Abendsonne: Holger Eggers, Horst-Dieter Görg

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