Fritz Haarmann

Fritz Haarmann

Wenn man an die Geschichte Hannovers ab dem Beginn der Industrialisierung denkt, kämen einem Sachen wie die Annektierung von Preußen 1866, die Machenschaften König Ernst Augusts oder die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen vor und während des Zweiten Weltkrieges in den Sinn. Doch zwischen 1918 und 1924 gab es spezielle Vorfälle, die Hannover bis heute ein wenig prägen und nicht unerwähnt bleiben dürfen, wenn ihr jemand Fremdes etwas über die Geschichte Hannovers erzählt.
Die Sprache ist von Fritz Haarmann, der „Vampir von Hannover”, einem der berühmtesten Mörder der deutschen Geschichte.

Haarmanns Vorgehensweise

Berühmtheit erlangte er dadurch, dass man ihn wegen des Mordes an mindestens 24 jungen Männern überführen konnte und anschließend durch das Fallbeil verurteilte. Das Kuriose an seinen Morden war seine Vorgehensweise:  Er behauptete, dass dies durch einen gezielten Biss in den Adamsapfel und einem gleichzeitigem Erdrosseln geschah. Nach diesem durch seinen Sexualtrieb gelenkten Mord schlief er ein und machte sich danach einen starken Kaffee. Im Anschluss wurden die Eingeweide und Organe entnommen, er trennte die Arme und Beine ab, löste das Fleisch von den Knochen und skalpierte die Kopfhaut. Viele Menschenreste entsorgte er eigenständig in der Leine oder Eilenriede, manches spülte er im Klo runter und den Rest hat er wohl als Fleischhändler selber oder an einen gewissen „Schlachterkarl“ verkauft. Ob dies wirklich wahr ist, konnte bis heute nicht nachgewiesen werden.

Die Leine, in der die Leichen der Opfer von Haarmann gefunden wurden

Jugend

In seiner Kindheit litt er wohl unter sehr schlechten Einflüssen, womit Grundlage für seine sexuellen Missbräuche geschaffen werden konnten. Seine ersten sexuell getriebenen Zuwiderhandlungen flogen auf und er wurde in einer Heilunterkunft in Hildesheim untergebracht, wo man ihm eine unheilbare Intelligenzminderung attestierte. Auch nachdem er von dort entlassen wurde und kurz zum Militär eingezogen wurde, konnte man ihm nur geistige Störungen vorweisen. Das zog nach sich, dass er nicht mehr arbeiten durfte und in Rente geschickt wurde. Somit unterhielt er seinen Unterhalt mit kleinkriminellen Taten, die zur Konsequenz hatten, dass er den Ersten Weltkrieg hinter Gittern verbringen musste. 

Leben mit Hans Grans

Nach seiner Zeit im Gefängnis lernte er den damals 18-jährigen Hans Grans kennen, mit dem er eine homosexuelle, symbiotische Liebesbeziehung pflegte. Beide wohnten in der heutigen Calenberger Neustadt zusammen und hatten eine recht gesellige Wohnung. Wenn beide keine Zeit mit der Geldbesorgung durch kriminelle Abwicklungen verbrachten, suchte Hans Grans in der Nähe des Cafés Kröpcke und des Hauptbahnhofes nach jungen, männlichen Prostituierten, um diese an Haarmann zu vermitteln.
Dieser bat den verzweifelten Jugendlichen mehrere Nächte Unterschlupf an und forderte im Gegenzug sexuelle Gefälligkeiten.
Die Nachbarschaft hat aufgrund des hellhörigen Hauses einige merkwürdige Geräusche aus dessen Wohnung wahrnehmen können. Viele Nachbarn verschwiegen die besonderen Vorkommnisse aber auch jahrelang, da Haarmann Kleider seiner Opfer an sie billig verkaufte oder sogar an sie verschenkte. Dadurch profitierten sie von ihm und im Austausch wurde er von ihnen nicht verraten.
Grans zog mit seinem neuem Freund Wittkowski aus und Haarmann zog in eine extrem kleine Dachgeschosswohnung in der „Roten Reihe 4“.

“Kriminal-Haarmann”

Trotzdem hatte er gelegentlich Anzeigen am Hals. Allerdings hatte Haarmann jahrelang eine nebenberufliche Tätigkeit, die verhinderte, dass die Polizei seine vorherigen kleineren Verbrechen bestrafte. Aufgrund seiner sehr guten Kenntnisse in Ganoven- und Zuhältermilieus, engagierte die Polizei ihn als Spitzel. Somit hatte er einige Insider-Infos, wurde seltener verdächtigt und konnte mit einem selbstausgestellten Detektei-Ausweis das Vertrauen seiner Opfer erlangen.

Ermittlungen

Nachdem man eines Tages mehrere Köpfe in der Leine fand, stellte man fest, dass der bis dato unbekannte Täter aufgrund der toten Opfer, die zuvor im verbotenen, homosexuellen Milieu aktiv waren, wohl selber homosexuell war. Da die Polizei wegen seiner Spitzeltätigkeiten wusste, dass Haarmann in diesem Milieu aktiv war, zog sich der Verdacht gegen ihn und circa 30 anderen Personen zu. Gerade gegen Haarmann, der schon öfter unter Verdacht stand, erhärtete sich der Verdacht und er wurde polizeilich observiert. Nach der Dursuchung seiner Wohnung konnte man ihm die Morde noch immer nicht hundertprozentig nachweisen. Die Polizei sah keine andere Möglichkeit als ihn rechtswidrig zu vernehmen, indem sie die Schädel der Opfer mit Kerzen aushellten und Haarmann einredeten, dass es seine Opfer seien. Nach mehreren Tagen voller Qualen sagte Haarmann schließlich: „Ich möchte endlich wieder ohne diese Lichtköpfe und den Knochensack ruhig in meiner Zelle schlafen. Ich möchte ein Geständnis ablegen.“

Das Ende von Haarmann

Im Dezember 1924 fing der Prozess um ihn an und er wurde wie erwartet zum Tode verurteilt. Auch sein vermeintlicher Mittäter Hans Grans sollte zum Tod schuldig gesprochen werden. Haarmann, der ab 1923 kaum noch Kontakt zu Grans hatte, warf jedoch auf einer Fahrt vom Gerichtsgefängnis zum Polizeipräsidium einen Brief aus dem Fenster, in dem er alle Schuld auf sich nahm und Grans stark entlastete. Trotz Grans‘ daraus resultierender Strafe, dass er für 12 Jahre im Zuchthaus leben musste, wurde er wegen der NS-Zeit deutlich länger festgehalten. Haarmann wurde dagegen am 15. April 1925 enthauptet und äußerte zuletzt: „Ich will geköpft werden. Das ist ein Augenblick, dann habe ich Ruh’“.

Warum ist Haarmann so sinnbildlich für Hannover?

Lieder und Skulpturen über Haarmann, abgedruckt auf den Hannover-Adventskalendern oder als Fahne in den Fanblöcken von Hannover 96 abgebildet. Haarmanns Spuren findet man auch noch bis in die Gegenwart, obwohl er eine der schrecklichsten Kreaturen im 20. Jahrhundert war. Viele Menschen faszinieren sich für die Umstände seiner Geschichte. Der Grund liegt dafür in diesem starken Bruch der gesellschaftlichen Norm. Die Menschen erfahren eine Geschichte, die fern von jeglichen anderen realen Geschichten liegt und einem Horrorfilm gleicht.
Dadurch, dass man selber nie davon betroffen war und es nur vom Hören oder Lesen kennt, hat man die gewisse Distanz, um davon nicht getroffen zu sein, aber durch die örtliche Nähe auch ein Gefühl, dass Hannover durch die Geschichte einzigartig emporgehoben wird.
Zum anderen werden Kritiker der Exekutive durch die Geschichte angesprochen.  
Theodor Lessing griff in seinem Buch über Haarmann die fatale Polizeiarbeit insofern auf, dass sie einen von den Behörden geschätzten Polizeispitzel nicht überführen konnten. „Kaum jemals ist ein bedeutender Prozeß unfähiger, kleinlicher und törichter geführt worden“ meinte Lessing damals und dies ist für einen Bruchteil der Menschen bis heute in vielen Fällen repräsentativ.

.

Bildquellen

  • Leine Hannover: pixabay.com
  • Hände eines Kriminellen in Handschellen: Jonas Ginter - Fotolia.com
  • Blutige Handspur: pixabay.com

Teile diesen Beitrag